Artikel vom 22. Sept. 2020
Wie im Februar angekündigt: Zalando hat dieses Jahr doch noch sein Secondhand-Segment gelauncht!
In den letzten Monaten hatte ich mich vergeblich bemüht, für den Blog ein Interview mit dem Zalando-Team der Pre-Owned-Kategorie zu bekommen. Nach einigen Vertröstungen kam irgendwann gar keine Antwort mehr. Also hatte ich keine Ahnung, ob Zalando wirklich – wie Anfang des Jahres angekündigt – sein Secondhand-Segment noch diesen Spätsommer launchen würde. Wegen Corona & Co. hatte Zalando viel damit zu tun, das Sortiment lokaler Läden auf der Zalando-Plattform anzubieten.
Gestern erschien auf der Zalando-Unternehmensseite dann ein Artikel mit dieser Überschrift:
„Kunden können jetzt mühelos neuwertige gebrauchte Mode auf Zalando kaufen und eintauschen.“
In dem Artikel steht weiter, dass Zalando-Kunden in Deutschland und Spanien nun neuwertige gebrauchte Mode direkt auf der Plattform kaufen und eintauschen können, dass der gewohnt hohe Komfort von Zalando auch für das neue Pre-Owned-Angebot gilt und dass Belgien, Frankreich, Polen und die Niederlande bereits im Oktober folgen sollen.
Trotz langen Suchens habe ich bei Zalando zunächst keine Pre-Owned-Kategorie gefunden. Erst als ich in das Suchfeld das Wort „Pre-Owned“ eingegeben habe, hat es funktioniert. Dann gelangt man tatsächlich zu den ersten Secondhand-Kleidungsstücken, die man kaufen kann. Hier findet ihr Herren- und hier Damen-Styles. Als Verkäufer tritt Zalando Circle auf, was bereits der Name des ersten Pop-up-Secondhand-Stores von Zalando in Berlin war.
Ich hatte ja schon im Februar die Vermutung, dass das Ganze auch als eigener Shop gelauncht werden könnte – und tada: Ich habe tatsächlich einen eigenen Shop gefunden: zircle.de
Zalando Wardrobe, Zalando oder Zircle?
Auf beiden Plattformen (Zalando und Zircle) werden die Produkte gleich angezeigt und ich kann mich im Zircle-Shop mit meinen Zalando-Anmeldedaten einloggen. Der Zircle-Shop ist aber besser für Kunden geeignet, die ausschließlich Secondhand shoppen wollen und sich nicht von Neuware ablenken lassen möchten. In der Zalando-Circle-App gibt es aber nach wie vor noch den Marktplatz für Kunden.
Die Fotos sind sehr einfach gehalten und es gibt nur wenige Bilder pro Teil. Bei Schuhen vermisse ich z. B. ein Bild der Sohle oder bei Pumps eines der Absätze. Da Zalando aber sagt, es handle sich nur um neuwertige „Pre-Owned“-Ware, braucht man das vielleicht auch nicht.


Was Zalando erklärt
Zalando schreibt, dass Kunden neuwertige gebrauchte Kleidungsstücke mühelos direkt über Zalando per kostenlosem Versand eintauschen können.
„Um es Kunden noch einfacher zu machen, den Überblick über den Inhalt ihres Kleiderschranks zu behalten, wurde die Wunschliste im Zalando Fashion Store erweitert. Kunden sehen jetzt automatisch alle Artikel, die sie bei Zalando gekauft haben. Sie können zudem Artikel in ihre ‚virtuelle Garderobe‘ hochladen, die sie anderswo gekauft haben, um diese auf Zalando mit wenigen Klicks einzutauschen.
„Den von Zalando für die eingetauschte Mode angebotenen Betrag können Kunden sich entweder in Form einer Gutschrift auszahlen lassen oder an die Hilfsorganisationen Deutsches Rotes Kreuz oder WeForest spenden.“
Aus diesen Pre-Owned-Artikeln kuratiert Zalando anschließend ein qualitätsgeprüftes, tagesaktuelles Sortiment für den Fashion Store, das Millionen Kunden in Europa mit dem gewohnt hohen Zalando-Komfort bei Versand, Rücksendung und Bezahloptionen zur Verfügung steht.
Was ich verstehe
Vielleicht seid ihr – ähnlich wie ich – an folgenden Begriffen hängen geblieben: neuwertig gebrauchte Ware, eintauschen, spenden.
Was macht Zalando also genau?
Sie haben die App Zalando Wardrobe praktisch mit einigen Funktionen in den Zalando-Shop integriert und zusätzlich einen separaten Online-Shop gebaut.
Welche Funktionen neu sind
- Kleidung, die man bei Zalando gekauft hat, bleibt im virtuellen „Kleiderschrank“ gespeichert.
- Man kann eigene Kleidung zusätzlich hochladen.
- Man sieht direkt, welchen Wert Zalando für die Kleidung als Guthaben anbietet.
- Mit einem Klick kann man die Kleidung aus dem virtuellen Kleiderschrank an Zalando „verkaufen“.
- Die Auszahlung erfolgt in Form eines Gutscheins oder einer Spende – nicht als Barauszahlung. (Hierzu auch diesen Artikel lesen: Ankauf, Inzahlungnahme, Spende – wo sind die Unterschiede?)
- Zalando kuratiert aus den eingesendeten neuwertigen Kleidungsstücken die besten Teile für den Wiederverkauf.
Als ich das Ganze testen wollte, funktionierte der Button allerdings leider nicht.
Offene Fragen
Was passiert mit Kleidung, die von Zalando nicht als neuwertig eingestuft wird? Wird sie einfach gespendet oder an den Verkäufer zurückgeschickt?
Wohin werden die gespendeten Kleidungsstücke des Deutschen Roten Kreuzes oder von WeForest weiterverkauft?
Und wenn man gebrauchte Mode 100 Tage lang zurückgeben kann: Merkt Zalando überhaupt, ob ich den Pullover ein- bis dreimal getragen habe, wenn er ohnehin schon gebraucht ist?
Meine Vermutungen
Mich würde es nicht wundern, wenn vor allem Retouren, die nicht mehr regulär als Neuware verkauft werden können, künftig in der Pre-Owned-Kategorie landen.
Hinzu kommt vermutlich auch das Gesetz der Obhutspflicht, das wahrscheinlich nächsten Sommer kommt. Dieses Gesetz hat die Entwicklungen im Secondhand-Segment meiner Meinung nach stark beschleunigt.
Fazit
Für meine Vermutungen und offenen Fragen versuche ich schnell Antworten für euch zu bekommen.
Klar ist aber, dass Zalando mit seinem Pre-Owned-Angebot vor allem auf die do.MORE-Nachhaltigkeitsstrategie einzahlt. Diese verfolgt das erklärte Ziel, bis 2023 die Lebensdauer von 50 Millionen Kleidungsstücken zu verlängern und Einwegplastik zu eliminieren.
Indem Kunden ihre neuwertigen gebrauchten Kleidungsstücke direkt über die Plattform „weitergeben“ können, verstärkt sich meiner Meinung nach aber auch der Nebeneffekt, dass schneller Konsum zusätzlich angeheizt wird. Mit einem Klick kann ich ungeliebte Kleidung wieder loswerden und werde gleichzeitig mit einem Zalando-Gutschein erneut zum Konsum animiert.
Ob dieser bequeme Umgang mit dem Zurückgeben von Kleidung und der direkte Anreiz zum Neukauf wirklich unter dem Deckmantel „Nachhaltigkeit“ laufen sollten, finde ich zumindest diskutabel.
Und im Interview, das ich unten verlinkt habe, stellt der Leiter des ReCommerce-Bereichs bei Zalando, Torben Hansen, den Service so dar, als wäre er völlig neu – dabei bietet ubup von momox genau diesen ReCommerce-Service bereits seit Jahren erfolgreich in Deutschland an.
Quellen:
