Artikel vom 23. Apr. 2020
Am Tag 50 meines Projekts durfte ich ein Interview mit dem Geschäftsführer der Relenda GmbH, Hendrik Scheuschner, führen. Was den Miet-Commerce von Kleidung angeht, schien mir die Relenda GmbH die beste Adresse zu sein, um mehr darüber herauszufinden. Hendrik und ich führten ein spannendes Telefoninterview, in dem ich alle meine Fragen zu Relenda stellen durfte – auch wenn ich nicht auf jede Frage eine Antwort erhielt. Mir wurde klar, dass Relenda viel mehr als ein Miet-Commerce-Unternehmen ist. In den letzten Wochen seit unserem Gespräch hat Relenda auch eine neue Website gelauncht, woraufhin ich das Firmenprofil aktualisiert habe. Am 20.08.2020 erreichte mich dann über Social Media die Nachricht, dass Relenda den Mietservice für alle ihre Konzepte einstellt – woraufhin ich das Firmenprofil nicht weiter aktualisiert habe.
Hier findet ihr aber das Originalinterview mit Hendrik vom 19.02.2020.
Ihr habt derzeit fünf Konzepte im Miet-Commerce. Kannst du mir erklären, an wen die sich richten?
Wir haben derzeit CottonBudBaby, einen Mietkleidungsservice für die ersten zwölf Monate eines Kindes, und kilenda als flexibles Kinderkleidungs-Mietprogramm. Dazu gehört der kilenda Klub, bei dem es die gleichen Produkte auch im Abo-Modell gibt. Daneben betreiben wir Tchibo Share und haben mit STAY AWHILE den Schritt in die Damenkleidung gewagt.

Hendrik Scheuschner, Geschäftsführer der Relenda GmbH
CottonBudBaby ist ein kleines Premiummodell für Kindermode. Hier bieten wir ökologische und faire Produkte für Kinder im ersten Lebensjahr an. Unsere Produkte sind alle GOTS-zertifiziert. Unsere Kunden kommen meist aus dem oberen Einkommensbereich, häufig Akademiker und nachhaltig eingestellt. Auch das Thema minimalistischer Lebensstil spielt bei unseren Kunden eine wichtige Rolle. Es ist ein Sorglos-Paket, das wir ihnen mit CottonBudBaby anbieten: Wir stellen nach ihren Vorlieben ein Paket zusammen und berücksichtigen dabei das Alter des Kindes, die Jahreszeit und das Wetter. Der Preis von 65 Euro pro Monat ist nicht gerade günstig, aber es ist das höchste Level an Service, das man anbieten kann, und diesen Service gibt es nun schon seit 2014.
Das Konzept hinter kilenda ist im Gegensatz zu CottonBudBaby eher eines für die breite Masse: Hier kann man sich Styles von bekannten Marken ganz flexibel, taggenau, so mieten, wie man sie gerade braucht.
Da es unser Ziel ist, dass Kleidung länger lebt, also in Gebrauch bleibt, haben wir 2018 zusätzlich den kilenda Klub ins Leben gerufen. Der kilenda Klub ist für Kunden einfacher zu handhaben und deutlich preisgünstiger. Den Preisunterschied können wir ermöglichen, da wir im Abo ca. 60 % weniger Pakete verschicken als beim normalen kilenda-Konzept.
Im Klub erhalten Eltern sieben Kleidungsstücke ab 29 Euro. Was man nicht mehr braucht, wird getauscht. Das sind dann vier bis fünf Euro pro Teil. Für fünf Euro mehr im Monat kann man auch ein weiteres Teil ausleihen.
Im kilenda Klub haben wir eine sehr hohe Kundenzufriedenheit – vor allem bei denen, die einmal im Quartal etwas tauschen. Da hat man dann für 90 Euro sieben qualitative Teile zu Hause. Für 90 Euro bekommt man nicht einmal beim schwedischen Textildiscounter sieben Teile, um sein Kind anzuziehen.
Wie hoch ist denn der Verschleiß bei den Kinderkleidern? Den stelle ich mir ziemlich hoch vor.
Ehrlich gesagt ist Verschleiß kein außergewöhnliches Problem. Mit unseren Sachen wird sehr gut umgegangen. Im Schnitt verleihen wir ein Kleidungsstück vier- bis fünfmal, bevor es kaputt ist.
Und wie bekommt man die Sachen von Kindern wieder sauber? Das ist ja vor allem bei Kleinkindern gar nicht so einfach.
Viele Flecken bekommen wir heraus: Wir nutzen das gleiche Waschverfahren, das auch Krankenhäuser für ihre Babywäsche verwenden. Zusätzlich achten wir natürlich auch beim Einkauf auf „Miettauglichkeit“. Das heißt, wir verzichten tendenziell auf zu feine Materialien wie Seide und Wolle und wählen eher gedeckte Farben, die weniger empfindlich sind.
Gab es auch Produkte, mit denen ihr schlechte Erfahrungen gemacht habt, die nicht funktioniert haben?
Spielwaren haben nicht so gut funktioniert. Das war für mich eine ziemliche Ernüchterung. Die Spielsachen kamen fast immer aufgrund von Sollbruchstellen kaputt zurück. Kinderwagen waren ebenfalls eine schmerzhafte Erfahrung für uns: Das Handling ist sehr teuer und die Kunden sehr pingelig. Gefühlt war jeder Kratzer ein Beschwerdegrund. Für solche portointensiven Produkte lohnt sich der Kauf von Secondhand auf regionalen Märkten wohl mehr als die Vermietung.
Manche Spielwaren, wie z. B. Puky-Fahrräder oder Babytragen, funktionieren hingegen sehr gut im Mietkonzept.
Und seit nun gut einem Jahr habt ihr auch ein Miet-Abo für Damenkleidung. Wie kam es dazu und welche Rolle spielte dabei Thekla Wilkening?
In den letzten Jahren hat sich der Secondhand-Markt so rasant verändert, dass wir bei Relenda immer nach einer Möglichkeit gesucht haben, im Bereich Damenkleidung aktiv zu werden. Zusammen mit Thekla konnten wir die Erfahrungen, die sie mit der Kleiderei gemacht hatte, nutzen und mit ihr gemeinsam STAY AWHILE entwickeln. Die Kreislaufwirtschaft ist ihr Metier, und sie steht gerne auf der Bühne, um für einen nachhaltigeren Umgang mit Mode zu sensibilisieren.
Bei der Kleidung, die wir bei STAY AWHILE zur Miete anbieten, handelt es sich vor allem um Stücke von Marken, die auf faire und biologische Herstellung achten. Einiges in unserem Sortiment ist auch „Deadstock“, also neuwertige Ware, die aber nicht mehr als „neu“ verkauft werden kann, weil z. B. Hangtags fehlen oder es sich um Retouren handelt, die nicht mehr als Neuware deklariert werden können.
Retourenware ist ohnehin ein spannender Bereich für uns: Es gibt Retouren, die Händler nicht wieder als Neuware vertreiben können – etwa weil Kunden sie getragen und trotzdem widerrufen haben. Für uns ist diese Ware ideal. Aktuell sind wir diesbezüglich mit einigen Marken im Gespräch. Wenn erst das geplante Retourengesetz in Kraft tritt, werden sich viele Marken Lösungen überlegen müssen.
Also ist die Relenda GmbH viel mehr als nur ein Miet-Commerce-Unternehmen. Wo geht die Reise in den nächsten Jahren hin?
Unsere Vision ist es, mit unseren Konzepten Kleidung ein langes Leben zu ermöglichen. Das tun wir einerseits mit unseren Mietangeboten. Andererseits fungieren wir auch als „Enabler“ für traditionelle Textilunternehmen, indem wir gemeinsam mit ihnen Lösungskonzepte für einen nachhaltigeren Umgang mit Textilien erarbeiten.
Wer steht hinter der Relenda GmbH? Ich glaube gelesen zu haben, dass das ein Konzern ist.
Ja, das ist die Interseroh Dienstleistungs GmbH – ein Unternehmen, das für zahlreiche wirklich clevere „Zero-Waste-Solutions“ steht.
Im Nachgang zum Interview habe ich mich noch näher über Interseroh informiert: Das Unternehmen gehört zu den führenden Anbietern von Dienstleistungen rund um die Schließung von Produkt-, Material- und Logistikkreisläufen. Gemeinsam mit Kunden in ganz Europa entwickelt Interseroh Full-Service-Lösungen und Produkte, die die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen gezielt verbessern – ein Plus für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Auf der Homepage von Interseroh finden sich viele namhafte Unternehmen aus verschiedenen Branchen, die mit ihnen zusammenarbeiten.
Ich muss sagen: Ich hatte die Relenda GmbH zunächst komplett in die falsche Ecke gestellt. Vielen Dank an Hendrik, der sich die Zeit genommen hat, mir diesen zusätzlichen Input zu geben.

