Miet-Commerce: Ich miet’ mir die Welt, wie sie mir gefällt!

Artikel vom 23. Jan. 2020

Das Thema „Alternativen zu Neuware“ umfasst natürlich nicht nur den Kauf gebrauchter Sachen, sondern auch das Mieten von Dingen. Da es mittlerweile so viele verschiedene Arten gibt, Dinge zu mieten, fiel mir prompt die Liedzeile von Pippi Langstrumpf ein, die schon sehr weise sang: „2 x 3 macht 4, widdewiddewitt, und drei macht neune! Ich mach mir die Welt, widdewidde, wie sie mir gefällt.“

Aber wieso? Pippi war für mich schon immer der Inbegriff von Freiheit und Flexibilität. Sie lebte schließlich mit einem Pferd und einem Affen in einem Haus, ging nicht zur Schule und scherte sich wenig um Besitz.

Demgegenüber steht im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Art. 14: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Als Kind muss ich diesen Satz irgendwo aufgeschnappt haben. Mein Vater sagt heute noch, dass ich schon viel zu oft „Eigentum verpflichtet“ zitiert habe, wenn ich etwas nicht haben wollte oder mir das Drumherum zu stressig war. Als ich zusammen mit meiner Schwester ein Motorrad kaufte, wollte ich es zum Beispiel vehement nicht auf meinen Namen anmelden. Als sie später eine Wohnung kaufte, empfand ich es wie eine Fußfessel, die sie sich da anschaffte.

Wenn man etwas besitzt, muss man auch dafür haften. Man hat es zu pflegen, zu bewahren, zu versteuern und muss, wenn es nicht mehr genutzt werden kann, für die Entsorgung geradestehen. Für die Entsorgung unseres Mülls zahlen wir Abfallgebühren, die von Stadt zu Stadt unterschiedlich hoch sind – und wir zahlen auch mit unserer Umwelt, wenn nicht nachhaltige Ressourcen verwendet oder Produkte verbrannt bzw. deponiert werden müssen. Erst recht zahlen wir, wenn wir Dinge kaufen, die von vornherein Müll sind, weil ihr Lebenszyklus sehr kurz ist. Und wer will schon gerne Müll besitzen?

Was ist Miet-Commerce?

Da klingt Mieten schon deutlich sorgenfreier, oder? Mit Schlagworten wie „Produkte als Service“ und „Shared Economy“ erobert der Miet-Commerce gerade den Markt – quasi als Lösung für alle, die nichts besitzen wollen.

Seit einigen Jahren kann man immer mehr Dinge mieten. Dabei handelt es sich häufig um Geschäftsmodelle, die Service statt Produkte anbieten – in Bereichen, in denen früher gekauft wurde. Man kauft also kein Auto mehr, sondern bezahlt für den Service „Mobilität“, also gefahrene Kilometer in einem gemieteten Fahrzeug.

Die Digitalisierung hat es Unternehmen erleichtert, ihre Konzepte kundenfreundlich umzusetzen und den Mietprozess zu vereinfachen.

Während es sich früher kaum lohnte, für kurze Zeit ein Auto zu mieten, heißt es heute: App laden, registrieren, Zahlungsmethode wählen, Auto aufschließen und losfahren. Kosten und Aufwand sind deutlich gesunken. Das Zauberwort „App“ ist zum digitalen Schlüssel für viele „Produkte auf Zeit“ geworden und hat Modelle wie Carsharing erst möglich gemacht.

Man besitzt die Dinge zwar während der Mietdauer, sie gehen aber nicht in das Eigentum über. Je nach Vertrag haftet man für die Nutzung, gibt die Sachen danach aber einfach zurück. Viele Mietgegenstände sind zudem versichert oder können entsprechend abgesichert werden.

Keine dauerhafte Verantwortung, keine langfristige Verpflichtung.

Oder anders gesagt:
Eigentlich will man keine Waschmaschine besitzen, sondern einfach saubere Kleidung haben.

Welche Mietangebote gibt es?

Neben klassischen Mietangeboten gibt es verschiedene Modelle, die oft unterschiedlich definiert werden. In diesem Artikel lassen sie sich in vier Kategorien einteilen:

1. Mieten (zeitlich begrenzt von Firmen)
Zum Beispiel ein Snowboard, ein Fahrrad oder ein Smartphone.

2. Miet-Abos (regelmäßiger Austausch von Produkten)
Vor allem bei Kleidung oder Kindersachen verbreitet.

3. Sharing Economy (Privat an Privat)
Vermietung über Plattformen, z. B. Wohnungen oder Fahrzeuge.

4. On Demand (spontane Nutzung)
Registrieren, nutzen, abstellen – etwa bei Carsharing oder E-Scootern.

Wie funktioniert das Mieten?

Grob:
Man registriert sich auf einer Plattform oder App, wählt ein Produkt und die Nutzungsdauer und erhält es für diesen Zeitraum.

Im Detail unterscheiden sich die Anbieter teilweise stark.

Vor- und Nachteile des Mietens

Vorteile:

  • Flexibilität
  • Zugang zu aktuellen Produkten
  • Möglichkeit zum Testen
  • Kein Anschaffungs- oder Entsorgungsaufwand

Nachteile:

  • Kann langfristig teurer sein als Kaufen

Vorteile beim Vermieten:

  • Zusatzeinnahmen
  • Bessere Nutzung vorhandener Ressourcen

Nachteile beim Vermieten:

  • Risiko von Schäden
  • Organisationsaufwand
  • Steuerpflichtige Einnahmen

Was kann man in Deutschland mieten?

Die wichtigsten Kategorien sind derzeit:

  • Technik
  • Kleidung
  • Möbel

Das Angebot wächst, auch wenn nicht alle Geschäftsmodelle dauerhaft bestehen bleiben.

Lohnt sich Mieten?

Vor allem dann, wenn Dinge nur kurzfristig benötigt werden oder sich schnell weiterentwickeln. Beispiele:

  • Technik für einen Urlaub
  • Kleidung für ein Event
  • Sportequipment
  • Kindersachen

Auch Platzmangel spielt eine Rolle – besonders in Städten wie Berlin, wo Wohnraum teuer ist.

Lohnt es sich zu vermieten?

Für Dinge, die regelmäßig genutzt werden können – ja. Für einmalige Vermietungen eher nicht, da Aufwand und steuerliche Aspekte zu berücksichtigen sind.

Ich hoffe, ich konnte einen guten Überblick geben. Wenn ihr weitere Mietmodelle kennt, teilt sie gerne 🙂