Artikel vom 1. Feb. 2020
Kaum hatte ich mein Fokusthema für diese zwei Wochen gefunden, stand ich auch schon vor der Komplexität, Mieten, Leasing und andere Finanzierungsarten voneinander unterscheiden zu müssen. Welches Konzept will uns eigentlich etwas verkaufen – und bei welchem geht es wirklich darum, den maximalen Nutzen durch mehrere Nutzer aus einem Produkt zu holen?
Viele der neuen Unternehmen, die auch kleinere Konsumgüter zur Miete oder im Leasing anbieten, verwenden die oben genannten Begriffe inkonsistent oder vermischen sie in ihren Dienstleistungsbeschreibungen.
Hier findet ihr eine kurze Erklärung, was der Unterschied zwischen Leasing und Finanzierung ist – und was tatsächlich unter Mieten zu verstehen ist.
Finanzierung
Eigentumsrechte:
Kunden kaufen das Produkt. Das Eigentum wird zu Beginn der Finanzierung übertragen, zusätzlich wird eine Finanzierung zur Zahlung des Kaufpreises bereitgestellt. Oft dient das Produkt selbst als Sicherheit für das Darlehen.
Kosten:
Die Monatsrate berechnet sich anhand der Darlehenssumme, der Laufzeit und der Zinsen. Es fallen – wie beim direkten Kauf – in der Regel 19 % Umsatzsteuer zusätzlich an.
Nutzung:
Die Nutzung ist unbegrenzt.
Wartung:
Finanzierungsnehmer müssen keine Servicevereinbarungen des Anbieters einhalten.
👉 Der grundlegende Unterschied zum Leasing: Beim Finanzieren geht das Eigentum an den Kunden über.
Leasing
Eigentumsrechte:
Kunden erhalten kein Eigentum am Produkt, sondern lediglich ein Nutzungsrecht. Nach Ablauf der Vertragsdauer wird das Produkt an den Anbieter zurückgegeben.
Kosten:
Die Monatsrate hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie Modell, Nutzungsintensität und Laufzeit. Die Umsatzsteuer ist in der Regel in den Leasingraten enthalten.
Nutzung:
Die Nutzung kann durch den Anbieter begrenzt werden (z. B. Kilometerbegrenzung bei Autos).
Wartung:
Leasingnehmer müssen Servicevereinbarungen einhalten. Häufig ist auch eine Versicherung verpflichtend.
👉 Leasing bedeutet: mittel- bis langfristige Nutzung ohne Eigentum.
👉 Oft besteht am Ende eine Kaufoption zum Restwert.
Mieten
Eigentumsrechte:
Mieter besitzen das Produkt zu keinem Zeitpunkt. Das Eigentum bleibt beim Vermieter.
Kosten:
Die Miete hängt von Modell, Nutzungsdauer und Nutzung ab.
Nutzung:
Die Nutzung kann durch Regeln eingeschränkt sein.
Wartung:
Rechte und Pflichten werden im Mietvertrag geregelt.
👉 Im Gegensatz zum Leasing gibt es keine Kaufoption am Ende.
Einordnung im Miet-Commerce
In meinem letzten Beitrag habe ich den Miet-Commerce in vier Modelle unterteilt. Wichtig: Finanzierung gehört nicht dazu, da hier ein Kauf stattfindet.
1. Mieten (klassisch)
Leasing-ähnliche Modelle:
Unternehmen wie Grover verfolgen oft einen Ansatz, der dem Leasing ähnelt. Ziel ist häufig ein späterer Kauf.
Nutzenmaximierende Modelle:
Unternehmen wie Lyght Living setzen auf maximale Nutzung eines Produkts durch mehrere Kunden und verkaufen es in der Regel nicht.
Product as a Service:
Unternehmen wie Swapfiets verdienen ihr Geld über den Service während der Nutzung, nicht über den Verkauf.
2. Miet-Abos
Produkte werden regelmäßig getauscht. Kauf ist möglich, aber nicht das Ziel.
Beispiel: Mode-Abos
3. Sharing Economy
Miete von Privat an Privat über Plattformen.
Beispiele: Airbnb, SnappCar
4. On Demand
Kurzfristige Nutzung bei Bedarf.
Beispiele: Tier Mobility, Miles
Fazit
- Finanzierung = Besitz
- Leasing = Nutzung mit Option auf Kauf
- Mieten = Nutzung ohne Besitz

