Was Wodka mit Kleidung zu tun hat und wie man Wäsche richtig wäscht

Artikel vom 18. Okt. 2020

Das Wäschewaschen gehört zu den Themen, die im Allgemeinen der Kategorie „Hausputz“ zugeordnet werden und somit zu dem eher unbeliebteren – wir reden nicht im Small Talk darüber – Gesprächsstoff.

Während das Kochen eine Art Renaissance hinter sich hat und mittlerweile zu einer guten Small-Talk-Runde dazugehört, ist das Waschen noch eher im Mittelalter verankert.

Zugegeben, statt vieler verschiedener Gewürze wird nur eine Sorte Pulver gebraucht und dieses sollte auch lieber nicht abgeschmeckt werden. Aber lediglich die Waschmaschine vollstopfen, zwischen heller und dunkler Wäsche unterscheiden und eventuell noch die geeignete Gradzahl einstellen? Mehr ist das doch nicht, oder? Wie ein Koch oder eine Köchin sich mit dem idealen Würzen geliebter Speisen auskennt, so kenne ich mich als Modedesignerin mit dem richtigen Umgang mit zu waschenden Materialien aus. Also hier meine kleine Anleitung, damit der neue Secondhand-Pullover auch länger als eine Saison hält.

1. Weiß- und Buntwäsche richtig waschen

JA, Mama hat immer gesagt, es sei besser, Weiß- und Buntwäsche zu trennen. Und JA, sie hat auch recht. Buntwäsche und Weißwäsche sollten möglichst getrennt gewaschen werden.

Schwarz und bunt zusammen ist schon okay, aber die grauen Schlieren, die auf weißen Shirts entstehen, sind einfach nervig wieder rauszubekommen. Doch auch das ist möglich – mit Weißtüchern o. Ä. Die bekommt man überall, in jeder Drogerie.

2. Der Spezialhaufen

Sobald das Kleidungsstück aus Seide, Schurwolle, Kaschmir oder Mohair besteht bzw. diese Materialien auch im Mischgewebe* enthalten sind, solltest du es auf einen Spezial-Wäschehaufen legen. Hierbei ist es nicht so wichtig, Weiß- und Buntwäsche zu trennen, da der Spezialhaufen eh kalt gewaschen wird und dadurch nichts abfärbt.

*Mischgewebe = z. B. 70 % Polyester, 30 % Mohair

3. 30 °C, 40 °C, 60 °C, kalt oder gar nicht?

Es reicht, wenn Weiß- und Buntwäsche bei 30 °C gewaschen wird. Selten rutschen wir noch auf dem Rasen herum und haben Grasflecken in der Kleidung. Unsere Kleidung ist nur selten wirklich dreckig. Und wenn doch, dann sind es meistens Rotwein-, Kaffee- oder Tintenflecken.

In der Drogerie gibt es für die jeweilige verschüttete Flüssigkeit ein Gegenmittel, mit dem der Fleck rauszubekommen ist. Oder man versucht es mit Kernseife – funktioniert nach kurzer Einwirkzeit in heißem Wasser oft hervorragend!

Ab und zu Unterwäsche und Bettbezüge bei 60 °C zu waschen ist empfehlenswert – heißt aber nicht, dass jedes Mal auf dieser Gradzahl gewaschen werden muss. Es wird einiges an Energie gespart, wenn bei niedrigeren Temperaturen gewaschen wird und – oh Wunder – die Kleidung ist trotzdem sauber, auch bei 30 °C.

Der Spezialhaufen hingegen wird bei Woll- und Feinwäsche einfach kalt gewaschen, das reicht auch vollkommen aus. Wenn der Spezialhaufen sehr klein ist, können die 1–2 Kleidungsstücke auch einfach per Hand gewaschen werden. Das ist wirklich nicht so stressig, wie man denkt – eher wie Abwaschen, nur mit Textilien.

Reiß- und Klettverschlüsse am besten schließen, damit sich nichts verhaken kann und Shirts mit Druck umkrempeln, um das bedruckte Kleidungsstück vor Abrieb zu schützen.

4. Jeans und Wollpullover

Jeans müssen nur wirklich selten gewaschen werden, zumindest bei hohem Baumwoll- und geringem bzw. keinem Elasthananteil*. Die Jeans wurde ganz bewusst so robust konzipiert, um Schmutz auszuhalten – auslüften reicht oftmals völlig. Alternativ kann die Jeans auch eingefroren werden, um Keime abzutöten. Wenn sie doch gewaschen werden soll, drehe sie gerne auf links, damit die Fasern nicht so beansprucht werden und die Jeans nicht so schnell ausbleicht.

*Elasthan = Gummi, das das Kleidungsstück dehnbarer macht – mittlerweile in den meisten Jeans enthalten.

Wollpullover können in der Regel auch einfach ausgelüftet werden. Da sie aus Schurwolle bestehen und die Wolle von Schafen stammt, ist sie selbstreinigend. Der Fettgehalt in der Wolle sorgt dafür – eine der großartigen Eigenschaften der Schurwolle.

5. Bügeln & Trocknen

Bügeln macht eh niemand – aber falls doch: Vorsicht mit der Gradzahl – steht auch in den kleinen praktischen Schildchen (Care-Label) in den Kleidungsstücken. Wem das Bügeln aber doch zu fancy ist, kann nach dem Duschen das Kleidungsstück auf einem Bügel in die Dusche hängen. Die hohe Luftfeuchtigkeit sorgt dafür, dass sich die Fasern glätten.

Kleidung aus Wolle bitte nicht hängen, sondern immer über den Wäscheständer legen – also waagerecht, ansonsten leiert das Material durch die Schwere der Nässe schnell aus.

6. Waschmittel

Lieber Pulverwaschmittel kaufen statt Flüssigwaschmittel. Warum? Pulverwaschmittel hat oftmals keine schwer abbaubaren Konservierungsstoffe und ist oft in Pappbehältern erhältlich. Wer dazu mehr Informationen möchte, kann das auf Utopia nachlesen. Und bitte darauf achten, dass es ein umweltfreundliches Waschmittel ist – in jeder Drogerie und in jedem Supermarkt ist mittlerweile nachhaltiges Waschmittel erhältlich und hier lohnt es sich wirklich, die 1–2 Euro mehr auszugeben – unser Planet dankt.

Weichspüler ist sowas von 1990 – umweltschädlich und braucht kein Mensch.

Generell einfach möglichst wenig waschen. Kleidungsstücke sollten wirklich nur dann in der Wäsche landen, wenn sie unangenehm riechen oder Flecken haben.

An dem Grad der Müffeligkeit – liegt natürlich auch am pH-Wert jeder Person – kann aber auch die Qualität des Produkts erkannt werden. Polyesterstoffe riechen oftmals viel schneller als Naturfasertextilien. Deshalb gerne auch schon beim Kauf darüber nachdenken, wie oft das Produkt getragen werden kann, ohne dass es gewaschen werden muss.

Auch hier wird sich unser Planet bedanken.

7. Trick 17 – Wodka

Manchmal riechen Teile dennoch schnell, oft haben sie dann einen hohen Elasthan- oder Polyesteranteil. Auch dafür gibt es eine Lösung, ohne sie nach einmaligem Tragen direkt in die Wäsche zu schmeißen: Wodka.

Eine normale Blumensprühflasche zur Hälfte mit Wodka und zur Hälfte mit Wasser befüllen und das betroffene Kleidungsstück an den entsprechenden Stellen besprühen. Wodka neutralisiert den Geruch.

8. Übersicht der einzelnen textilen Materialien

Um euch eine kurze Einführung zu geben, habe ich die Textilien mit der Gradzahl, bei der sie gewaschen werden sollen, ihrer Herkunft und der Art, wie das Material zu trocknen ist, einmal aufgelistet.

Eine Art „1 mal 1“ der Auseinandersetzung mit eurer Kleidung.

Alle Angaben sind ohne Gewähr. 🙂

Dieser Artikel wurde von Julia Radewald verfasst. Sie macht Projektassistenz bei dem Projekt Become-A-Ware. Bei dem Interview zu Become-A-Ware ist die Idee zu diesem Artikel entstanden. Im normalen Leben ist Julia Modedesignerin und führt mit zwei Mitgründerinnen das Label und den Blog Kluntje, auf dessen Webseite dieser Artikel ebenfalls erschienen ist. Wieso?

Weil ein achtsamer Umgang mit Kleidung Ressourcen schützt und falsches Waschen einer der Hauptgründe ist, warum unsere Kleidung kürzer genutzt wird als geplant.

Danke Julia für diesen Beitrag.