Wo bekomme ich am meisten für mein Buch? Diese Frage führte mich zu Stefan von Bonavendi

Artikel vom 23. März 2020


In dem Interview mit Stefan Zinser, Entwickler und Co-Founder von Bonavendi, erzählt er mir, wie er und zwei Freunde in nur zwei Monaten eine Vergleichsplattform für Verkaufspreise von Büchern, CDs und DVDs aufgebaut haben.

Wie kam es zu der Gründung von Bonavendi?

Das Unternehmen wurde offiziell 2011 von Florian Forster gegründet, einem guten Freund von mir. Er musste damals umziehen und hatte eine große Menge an Medien, insbesondere Bücher, CDs und DVDs. Um diese zu verkaufen, fiel ihm zunächst nur eBay ein. Das erwies sich jedoch als viel zu aufwendig, da es sich um Einzelverkäufe handelte.

Am liebsten möchte man alles gesammelt an einen Käufer verkaufen – doch solche Käufer findet man auf Marktplätzen nur selten. So stieß Florian schließlich auf Momox und Rebuy. Dabei fiel ihm auf, wie unterschiedlich die Ankaufspreise auf den beiden Plattformen waren. Ein Vergleichsportal gab es zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht.

Teilweise betrug der Preisunterschied mehrere Euro pro Buch, sodass sich ein Vergleich durchaus lohnte.

Florian fragte dann Marco, einen weiteren Freund, und mich eines Abends, ob wir nicht eine Preisvergleichsplattform bauen wollten, wie er sie sich bei seinem Umzug gewünscht hatte. Florian und ich waren Informatiker, Marco war im Marketing tätig. Gemeinsam entwickelten wir das gesamte Portal in nur zwei Monaten, bevor wir damit live gingen.

Zu diesem Zeitpunkt studierten wir noch und konnten uns daher ausreichend Zeit dafür nehmen. Außerdem veröffentlichten wir direkt eine App, mit der man alle Artikel einfach einscannen konnte.

Das Gründerteam von Bonavendi v.l.: Stefan Zinser, Florian Forster, Marco Görgmaier (Foto: Rebuyprices)

Seit unserer Gründung wachsen wir kontinuierlich organisch.

Außerdem gibt es bei uns seit drei Jahren die Möglichkeit, einen Preisvergleich für gebrauchte Güter wie Smartphones durchzuführen. Diese Funktion macht jedoch nur einen kleinen Anteil unserer Suchanfragen aus.

Was war euer Ziel mit Bonavendi?

Bonavendi haben wir für unsere Kunden entwickelt. Das Besondere an Bonavendi ist, dass man mehrere Bücher einscannen kann und anschließend angezeigt bekommt, wo sich das gesamte Paket zu den besten Konditionen verkaufen lässt.

Seit der Gründung von Bonavendi optimieren wir die Plattform kontinuierlich im Hintergrund, auch wenn sich auf der Website seit 2014 optisch nicht viel verändert hat. Die Datenübertragung an die ReCommerce-Portale hat sich beispielsweise deutlich verbessert. Gibt man Artikel bei uns ein oder scannt sie ein, können wir sie direkt in den Verkaufswarenkorb übertragen, sobald man sich für ein Unternehmen entschieden hat.

Außerdem verfügen wir über einen „Paketfinder“. Das bedeutet, dass wir viele Produkte gleichzeitig verarbeiten können – bis zu 10.000 Artikel. Die Daten- und Preisabfrage kann dabei zwar einige Stunden dauern, funktioniert aber zuverlässig. Bonavendi vergleicht dabei zahlreiche Plattformen für viele Artikel und bündelt diese anschließend in Warenkörben mit den besten Konditionen.

Ich glaube, man kann sagen, dass unser Ziel darin besteht, gebrauchte Produkte dorthin zu vermitteln, wo sie am meisten wertgeschätzt werden.

Wie finanziert sich die Plattform?

Bonavendi basiert auf einem Affiliate-Programm. Das bedeutet, dass wir einen kleinen Teil des Umsatzes der Website erhalten, zu der wir Kunden weiterleiten – vorausgesetzt, es kommt dort zu einer Transaktion.

(Affiliate-Marketing stammt ursprünglich aus den USA und wird hierzulande häufig auch als Partnerprogramm bezeichnet. Vereinfacht gesagt handelt es sich um ein internetbasiertes Provisionsmodell: Unternehmen, die online Produkte verkaufen, zahlen Provisionen an Website-Betreiber, die Besucher auf ihren Shop weiterleiten, sofern diese dort einen Kauf tätigen. So bietet beispielsweise Amazon ein eigenes, sehr erfolgreiches Partnerprogramm an.)

Was für Kunden habt ihr?

Unsere Kunden kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Ein großer Teil sind jedoch Bestandskunden, die regelmäßig zurückkehren. Die Bandbreite reicht von Menschen, die Wohnungs- oder Haushaltsauflösungen durchführen, bis hin zu Jugendlichen, die sich mit gefundenen Büchern etwas dazuverdienen möchten.

Im Kundensupport sehen wir zudem viele Rentner, denen wir dabei helfen, sich auf der Plattform zurechtzufinden. Insgesamt lässt sich sagen, dass unsere Zielgruppe sehr breit gefächert ist. Wir verzeichnen täglich eine hohe Besucherzahl, allerdings ist die Anzahl der tatsächlichen Transaktionen noch vergleichsweise gering.

Welche Veränderungen habt ihr gesehen? Haben die Leute Interesse an eurem Angebot?

Unsere Zahlen steigen seit dem ersten Tag kontinuierlich. Ich vermute jedoch, dass das vor allem daran liegt, dass wir als Plattform bekannter werden – und weniger daran, dass das Thema insgesamt stark an Fahrt aufgenommen hat. Wir hatten erwartet, dass sich der Markt schneller entwickelt. Begriffe wie ReCommerce sind in der breiten Gesellschaft noch nicht wirklich angekommen.

Wir gehen jedoch davon aus, dass es sich dabei um eine zeitliche Verzögerung handelt und das Thema künftig noch deutlich an Bedeutung gewinnen wird. Wenn wir Nutzer auf unsere Seite bringen, geschieht das häufig über die Namen großer ReCommerce-Anbieter und nicht über den Begriff „ReCommerce“ selbst, da dieser noch zu wenig bekannt ist.


Denkst du, das ist der Grund, dass es noch so wenige Vergleichsplattformen für den Verkauf gibt?

Ich habe einige gefunden, aber sie wirken oft nur halb aktiv.

Ja, eine wirkliche Konkurrenz haben wir aktuell kaum noch. Es gab mehrere Plattformen, die zeitgleich mit uns gestartet sind, darunter auch einen sehr aktiven Mitbewerber, der gleich mehrere Angebote aufgebaut hat. Inzwischen ist es um diesen jedoch ruhig geworden, und viele dieser Seiten wirken kaum noch gepflegt.

Wo seht ihr Bonavendi in fünf Jahren?

Unser Ziel ist es, durch Internationalisierung und die Erweiterung unserer Kategorien weiter zu wachsen. Derzeit sind wir in Deutschland, Österreich und den USA aktiv. In den USA ist beispielsweise der Sekundärmarkt für College-Bücher sehr groß, und es gibt dort spezialisierte Anbieter, die sich ausschließlich auf diesen Bereich konzentrieren.

In Europa sehen wir darüber hinaus noch viel Potenzial, insbesondere in den Nachbarländern. Dabei beobachten wir auch die Entwicklung großer ReCommerce-Unternehmen wie Momox und Rebuy: in welche Märkte sie expandieren und welche Kategorien sie erschließen.

Ein Schwerpunkt für uns ist aktuell der Ausbau im Technikbereich. Smartphones und Tablets sind besonders interessant. Auch Kleidung wäre perspektivisch denkbar, allerdings ist der Markt hier noch nicht weit genug entwickelt, um ausreichend Anbieter sinnvoll vergleichen zu können.

Derzeit betreiben wir Bonavendi noch nebenbei, mit dem Ziel, es langfristig zu unserem Hauptberuf zu machen.


Wie siehst du den ReCommerce-Markt insgesamt? Wohin entwickelt er sich?

Wir sind überzeugt, dass Themen wie Ressourcenknappheit zunehmend an Bedeutung gewinnen werden. In diesem Kontext wird auch ReCommerce weiter wachsen. Deshalb bleiben wir in diesem Bereich auf jeden Fall aktiv.

Vielen Dank Stefan Zinser für das Telefoninterview und die Ehrlichkeit zum Stand von Bonavendi. Wir bleiben gespannt.

Quelle: www.affiliate-marketing-tipps.de