Zanoni – eine Liebeserklärung an das Kommissionsmodell

Artikel vom 11. Feb. 2022

Wir lieben Secondhandläden mit Kommissionsmodell. Vor allem zum Einkaufen! Eine besondere Perle mit kleiner, aber feiner Auswahl befindet sich in Schöneberg. Ich habe die Besitzerin Luisa Zannoni gefragt, wieso sie sich für das Kommissionsmodell entschieden hat.

Wie kamst du dazu, einen Secondhandladen aufzumachen?

Ich habe Textile and Clothing Management studiert und ein paar Jahre in der Modebranche als Einkäuferin, Redakteurin und im Vertrieb gearbeitet. Privat war ich immer schon Secondhand-begeistert und habe alle Läden abgeklappert. Beruflich hatte ich das Gefühl, noch nicht das Richtige gefunden zu haben. Dann bin ich 30 geworden und habe einen Existenzgründerkurs belegt, um meinen Businessplan zu schreiben. Einen geeigneten Laden in Berlin zu finden, war nicht leicht, aber dann ging plötzlich alles ganz schnell und es ist die beste Entscheidung in meinem Leben gewesen 🙂

Wieso hast du dich für das Kommissionsmodell entschieden?

Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, habe ich mit ein paar Secondhand-Ladenbesitzern Interviews geführt und mir wurde zum Kommissionsmodell geraten: Man geht nicht in Vorleistung, hat engen Kundenkontakt, bleibt nicht auf den Sachen „sitzen“ und hat ein schnell bzw. flexibel wechselndes Sortiment. Außerdem braucht es keinen Lagerraum und ist bequem aus dem Laden heraus zu organisieren.

Sind deine Kunden überzeugte Secondhand-Käuferinnen?

Ich habe das Gefühl, dass Secondhand immer alltäglicher wird und auch von neuen Zielgruppen angenommen wird. Manchmal höre ich noch den Satz: „Wow, man sieht gar nicht, dass es Secondhand ist, so hochwertig und stilvoll“, aber meine Stammkundinnen sind richtige Secondhand-Profis und einige kaufen gar nicht mehr neu ein.

Sind die Käuferinnen und die, die die Sachen vorbeibringen, die gleichen Kundinnen?

Das kann man nicht verallgemeinern. Es gibt reine Lieferantinnen und reine Käuferinnen, aber manchmal wird die Kommission auch sofort wieder ausgegeben – das ist ein schöner Kreislauf 🙂

Welche Vision hast du für die Textilindustrie?

Schwierige Frage. Ich hoffe natürlich, dass Mode und Design wieder mehr wertgeschätzt werden und weniger als Massenprodukt online konsumiert werden. Meine Kunden schätzen den persönlichen Kontakt in kleinen, individuellen Läden und die Kiezkultur, das wünsche ich mir auch für die Zukunft. Und dass Secondhand mehr in der Männerwelt ankommt und es ein größeres Angebot gibt.

Was sind deine persönlichen Ziele?

Meine persönlichen beruflichen Ziele sind, dass ich noch lange mit Spaß und Leidenschaft mein Hobby zum Beruf machen kann! Eine gute Work-Life-Balance mit wenig Stress, aber trotzdem Wachstum. Vielleicht mit einem zweiten/größeren Laden oder einem anderen Konzept, es bleibt spannend 😉

Musst du viele wegschicken, die Fast Fashion bringen?

Nein. Mit „Design“ im Titel können die meisten Lieferantinnen etwas anfangen oder sie fragen vorher nach, welche Marken angenommen werden. Ein paar Fast-Fashion-Teile habe ich dennoch im Sortiment, wenn ich von der Qualität überzeugt bin.

Luisa Zannoni