Artikel vom 29. Sept. 2020
Bei meinem täglichen Klicken durch Instagram erreichte mich plötzlich diese Werbung.
Meine Neugier war geweckt.

Was ist Lynk & Co?
Lynk & Co ist eine junge, 2016 gegründete Automarke des chinesischen Autoherstellers Geely. Das ist derselbe Mutterkonzern, der der schwedischen Automarke Volvo in den letzten Jahren zum Erfolg verholfen hat. Lynk & Co stammt also nicht gerade aus schlechtem Hause. Auch Smart gehört inzwischen zum Geely-Portfolio.


Dadurch ist Lynk & Co zwar vor allem chinesisch geprägt, wird aber wegen der engen Verbindung zu Volvo oft als schwedisch-chinesische Marke bezeichnet.
Dabei scheint das Beste aus beiden Welten kombiniert zu werden: europäische Technik und Design, verbunden mit modernen asiatischen Preisstrategien. Kein Wunder also, dass Lynk & Co mit dem Motto „leistbarer Luxus“ wirbt.
Das Besondere an Lynk & Co
Besonders spannend an Lynk & Co sind allerdings vor allem die frischen Ideen rund ums Auto. Die Marke möchte einiges revolutionieren – insbesondere, wie Menschen Autos kaufen und nutzen.
Der Schwerpunkt liegt auf vernetzten Fahrzeugen und innovativen Vertriebsmodellen. Damit will das Unternehmen vor allem jüngere Autokäufer ansprechen. Die Zielgruppe: urbane, offene und technikaffine Menschen, die neue Technologien gerne früh ausprobieren. Lynk & Co möchte die Automarke für „junge Professionals“ sein.
Deshalb ist auch der Markenname ungewöhnlich für einen Autohersteller. Laut Lynk-&-Co-Chef Alain Visser steht „Lynk“ für Vernetzung und das „Co“ für Community und zusätzliche Services.
Der Name soll eher an ein Modelabel erinnern als an eine klassische Automarke. Lynk & Co möchte nämlich nicht nur technisch modern sein, sondern auch ein Lifestyle-Statement setzen.
In diesem Zusammenhang gab es bereits eine Kooperation mit der Plattform Tictail, bei der Lynk & Co sogar eine eigene limitierte Fashion-Linie namens „The City Dweller Series“ veröffentlichte.
Aber warum passt das auf diesen Blog?
Momentan verkauft Lynk & Co seine Modelle zwar hauptsächlich in Asien, doch Ende 2020 expandierte die Marke auch nach Europa – inklusive einiger Features, die es speziell hier geben sollte: ein neues Vertriebssystem.
Damals kündigte Lynk & Co an, dass man Mitgliedschaften abschließen könne und die ersten Fahrzeuge ab Frühjahr 2021 verfügbar seien.
Die besondere Vertriebsstrategie von Lynk & Co
Wer kein Auto kaufen möchte oder wem klassisches Carsharing zu unflexibel ist, könnte das Konzept von Lynk & Co spannend finden.
In Europa sollten die Autos nämlich ähnlich wie Netflix oder Spotify im Abo-Modell angeboten werden.
Das bedeutet: Für einen monatlichen Betrag kann man das Fahrzeug flexibel nutzen. Versicherung, Wartung und Service sind inklusive. Selbst Internetzugang gehört dazu. Und wenn man das Auto nicht mehr braucht, gibt man es einfach zurück.
Man ist also nicht langfristig gebunden wie beim Kauf, muss das Auto aber auch nicht permanent mit Fremden teilen wie beim klassischen Carsharing.
Im Grunde erinnert das Konzept ein wenig an Swapfiets – nur eben für Autos.
Lynk & Co übernimmt dabei die komplette Wartung, Versicherung und Instandhaltung.
Die Fahrzeuge sollten online buchbar sein und innerhalb kurzer Zeit direkt vor die Haustür geliefert werden.
Durch dieses Abo-Modell sah sich Lynk & Co selbst weniger als Konkurrenz zu VW, Audi oder Toyota, sondern eher zu Uber und Carsharing-Diensten.
Eine Studie von Oliver Wyman zeigte damals übrigens, dass rund 26 % der befragten Deutschen Interesse an einem Auto-Abo hätten. Besonders attraktiv sei dabei die Möglichkeit, regelmäßig zwischen verschiedenen Fahrzeugtypen zu wechseln.
Wer lieber kaufen oder leasen wollte, konnte dies bei Lynk & Co aber ebenfalls tun.
Weg vom Carsharing – hin zum „Car Sharen“
Durch das Abo-Modell sollte man über das Fahrzeug fast wie über ein eigenes Auto verfügen können.
Wer sein Auto allerdings nicht ständig nutzt, kann es über die App zeitweise anderen Nutzern zur Verfügung stellen.
Ja, richtig gelesen.
Das Konzept beinhaltete also gleichzeitig auch eine Art Sharing-Marktplatz. Andere Mitglieder der Lynk-&-Co-Community konnten das Auto zeitweise ausleihen.
Der Besitzer legt einfach fest, wann das Fahrzeug verfügbar ist. Andere Nutzer können es dann in diesem Zeitraum buchen.
Als ich das gelesen habe, hatte ich allerdings sofort viele offene Fragen: Was passiert, wenn jemand das Auto zu spät zurückbringt? Oder an einem anderen Ort abstellt?
Und welchen finanziellen Anreiz gibt es eigentlich, das eigene Abo-Auto zu teilen?
Die Idee dahinter war offensichtlich, die monatlichen Kosten durch das Teilen teilweise wieder hereinzuholen.
Was bekommt man mit der Lynk-&-Co-Mitgliedschaft?
Bei der Mitgliedschaft sollte es laut Lynk & Co um mehr gehen als nur ums Auto. Man werde Teil einer Community und bekomme Zugang zu Events, Mode, Kunst, Musik und weiteren Lifestyle-Angeboten.
Die Idee dahinter: Mobilität als Teil eines modernen urbanen Lebensstils.
Es gab damals drei geplante Mitgliedschaftsmodelle:
- Mitgliedschaft mit gekauftem Auto
- Mitgliedschaft mit abonniertem Auto
- Mitgliedschaft ohne Auto
Was sollte der Spaß kosten?
Beim Preis hielt sich Lynk & Co zunächst eher bedeckt.
Alain Visser erklärte damals allerdings, dass das Abo definitiv mehr als 250 Euro pro Monat kosten müsse, sich aber unter 500 Euro bewegen solle.
Die Argumentation dahinter: Viele urbane Menschen würden ohnehin bereits mehrere hundert Euro monatlich für Mobilität ausgeben – etwa für Uber, Taxis oder öffentliche Verkehrsmittel.
„Wir wollen das Spotify der Automobilindustrie werden“, sagte Alain Visser damals.
Wie sehen die Autos aus?
Zum damaligen Zeitpunkt hatte Lynk & Co bereits drei Modelle vorgestellt.

Für den europäischen Markt war vor allem das Modell 01 vorgesehen – ein kompakter SUV.


Und genau da musste ich etwas schmunzeln: Ein SUV für urbane junge Menschen, die sonst eher Mini oder Smart fahren?

Der Lynk & Co 01 war elektrifiziert und sowohl als Hybrid als auch als Plug-in-Hybrid erhältlich. Mit der Plug-in-Version sollten bis zu 80 Kilometer rein elektrisch möglich sein.
Woher kommen die Fahrzeuge?
Lynk & Co setzte von Anfang an stark auf Direktvertrieb. Anders als klassische Autohersteller wollte das Unternehmen möglichst viel online abwickeln und auf traditionelle Autohäuser weitgehend verzichten.
Produziert wurden die Fahrzeuge in Taizhou in der chinesischen Provinz Zhejiang.
In China waren die Modelle 01 und 02 bereits erhältlich, der 03 – eine Limousine – wurde ebenfalls früh eingeführt.

Foto: Lynk & Co. Zitat: automobilwoche.de
Mein Fazit damals
Nachdem ich mich durch all diese Informationen gearbeitet hatte, musste ich nochmal auf die ursprüngliche Instagram-Werbung schauen.

Im Leben wäre ich dabei nicht auf chinesisch-schwedische SUVs im Spotify-Netflix-Abo mit Community-Konzept gekommen.
Aber genau deshalb fand ich das Ganze so spannend.
Die Idee, Mobilität stärker als Service statt als Besitz zu denken, passt natürlich perfekt in die Entwicklung rund um Sharing, Kreislaufwirtschaft und flexible Nutzungskonzepte.
Ich werde den Artikel auf jeden Fall weiter aktualisieren, sobald es neue Entwicklungen gibt.
