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Artikel vom 8. Dez. 2021
Alle, die meinen Blog öfter lesen, wissen, dass ich nicht immer wieder in jedem Artikel aufs Neue erwähne, wie viel besser Alternativen zu Neuwaren fürs Klima sind. Das ist für mich – und hoffentlich auch für meine Leser:innen – gesetzt. Mir geht es viel mehr darum, auf dem Blog zu zeigen, welche Alternativen es zu Neuware gibt, wie diese funktionieren und wie das Geschäftsmodell dahinter funktioniert. Kurzum, ich will Transparenz schaffen und nicht etwas empfehlen oder davon abraten, das ich selbst nicht verstehe.

Vor ca. einem Jahr habe ich mich in einem Artikel mit dem Unterschied zwischen Leasing und Mieten beschäftigt. Seit Anfang 2020 bietet die Mode-Leasing-Plattform unown beide dieser Möglichkeiten für ihre Kund:innen an. Also habe ich die beiden Gründerinnen zum besseren Verständnis selbst einmal gefragt, wieso sie genau diese Nutzungsmodelle ausgewählt haben und worin sie den Unterschied der beiden angebotenen Modelle sehen.
Ihr betreibt seit 2019 die Mode-Miet- & Leasing-Plattform UNOWN. Ich kenne euch aus dem Kontext, dass man bei euch Mode mieten kann, und zähle euch zu den Mietplattformen. Euer Kernmodell ist aber das Leasing von Kleidung. Euer Unternehmen hinter UNOWN heißt sogar „Leasing for Good“. Könnt ihr mir den Unterschied zwischen Leasing und Mieten erklären?
Bei uns steht das Prinzip „Nutzen statt Besitzen“ im Mittelpunkt. Wir bieten einen neuartigen Leasing-Service für Modekonsument:innen und Marken. Kund:innen können sich jeden Monat Premium-Mode in unserer App und auf unserer Website aussuchen und im Abo-Modell oder auf Einzelbasis leasen. Wir sprechen von Leasing, da wir die monatlichen Zahlungen anrechnen, d. h. je nach Wert eines Kleidungsstücks ist es irgendwann abbezahlt und du kannst entscheiden, ob du das Lieblingsstück behalten oder doch zurücksenden und gegen etwas Neues tauschen möchtest. Mit Leasing werden so auch hochwertige Produkte mit fairen Preisen über monatliche Zahlungen erschwinglich.
Was sind die Vorteile von Leasing gegenüber Mieten bzw. der Grund, dass ihr UNOWN auf das Leasing statt auf die reine Miete aufgebaut habt?
Die Welt verändert sich und Besitz hat immer weniger Bedeutung. Wir wollen es einfach machen, weniger Kleidung anzusammeln und trotzdem Abwechslung und Vielfalt zu genießen. Leasing- und Mietmodelle bringen Flexibilität, Leichtigkeit und Spaß. Außerdem tragen sie dazu bei, dass wir die Ressource Kleidung besser nutzen. Wir führen regelmäßig Befragungen unter unseren Kund:innen durch und wissen: Wer UNOWN nutzt, kauft weniger UND hat Spaß an Mode.
Welchen Vorbehalten oder Bedenken begegnet ihr bei Kund:innen gegenüber Leasing? Verstehen die Kund:innen das Modell oder müsst ihr im Nachhinein noch viel erklären?
Wir bieten etwas Neues an. Da gibt es natürlich zu Beginn ein paar Fragen. Inzwischen wissen wir, welche Fragen sich unsere Kund:innen stellen. Die meisten möchten wissen, ob sie etwas zurückschicken können, wenn etwas mal nicht passt. Die Antwort ist ja! Wir informieren außerdem ausführlich über alle Service-Features rund ums Leasing, z. B. Versicherung, Reinigung und individuelle Kaufangebote.
Was sind eure drei größten Learnings aus den letzten Jahren? Mich persönlich interessiert immer, ob ihr denkt, dass sich die Kund:innen und ihre Einstellung zu den neuen Modellen schon verändert haben. Da ich mit vielen aus der Branche spreche, versuche ich immer, ein Bild davon zu bekommen, inwieweit die Alternativen zu Neuwaren die Konsumkultur schon verändert haben bzw. wo wir gerade stehen.
In den letzten zwei Jahren hat sich etwas bewegt – viel mehr Menschen wissen um die negativen Einflüsse der Modeindustrie. Es wird bspw. über CO₂-Emissionen in der Produktion, Müllvermeidung, tierfreundliche Materialien und faire Arbeitsbedingungen für Arbeiter:innen gesprochen. Das reicht noch nicht und der Weg zu einer nachhaltigeren Modeindustrie ist noch weit. Veränderung braucht Durchhaltevermögen und es gibt keine One-size-fits-all-Lösung. Wir sind in unserer Grundhaltung optimistisch. Wir brauchen viele Ideen, viele Start-ups und Impulse der etablierten Player, um voranzukommen.
Wir sprechen viel mit unseren Kund:innen und erfahren, dass viele ihr Kaufverhalten überdenken und nach neuen Lösungen suchen. Aus unseren eigenen Umfragen wissen wir, dass über 80 % der Kund:innen, die regelmäßig leasen, sagen, dass sie deutlich weniger kaufen und weniger Kleidung anhäufen. Wir haben gelernt, dass unser Service für Kund:innen Mehrwert stiftet.
Zusätzlich nehmen wir eine deutliche Veränderung bei unseren Partnermarken wahr, auch dort kommen Re-Commerce-Services immer besser an. Hier haben wir gelernt, dass wir die Marken noch viel mehr einbinden können. Denn sie sind unsere Partner in Crime. Nur wenn viele Marken im Service-Bereich gemeinsam mit uns innovieren, erreichen wir wirklich viel. Dann können Nutzungsmodelle wie unseres Mainstream werden.
Was ist eure Vision für UNOWN ganz präzise? Wo würdet ihr UNOWN gerne in fünf Jahren sehen?
Wir möchten die Lösung für nachhaltige, zirkuläre Nutzungsmodelle im Bereich Mode in Europa werden! Und damit unseren Beitrag leisten, CO₂ einzusparen und Textilmüll zu vermeiden. Wir setzen uns für ein neues Nutzungsmodell und mehr Zirkularität in der Industrie ein. Was wir dafür genau auf unserer Roadmap für die nächsten fünf Jahre haben, kann ich dir an dieser Stelle noch nicht im Detail verraten. Es wird aber deutlich über neue Produktkategorien hinausgehen. Unser Ziel ist es, mehr Services und Features sowohl für Kund:innen als auch für unsere Partnermarken anzubieten.
Danke an unown für die Antworten. Ich persönlich sehe viel Potenzial in Mietplattformen.
Allerdings frage ich mich als Kundin weiterhin, worin für mich genau der Unterschied zwischen dem Leasingmodell und dem Mietmodell liegt bzw. warum die beiden Begriffe oft synonym verwendet werden. Während auf der unown-Plattform nur vom Leasing die Rede ist, geht es in den AGB der Leasing for Good GmbH nur um Vermietung oder Kauf. Das Geschäftsmodell von unown wirft für mich noch viele Fragen auf, die die beiden Geschäftsführerinnen leider auch im Nachgang nicht klären konnten. Beim Durchlesen der AGB bin ich leider auch nicht wirklich schlauer geworden.
Als Kundin frage ich mich zum Beispiel: Wenn ich etwas lease, das neu ist, und etwas, das schon einmal im Verleih war, müssten es nicht unterschiedliche Raten sein? So wie ich das von Autos kenne. Kann ich, wenn ich ein Member bin, auch Teile, die ich im Abo gemietet habe, abkaufen?
Ich persönlich ziehe folgendes Resümee: Bevor ich einen Dariadéh-Pullover für 99 € kaufen würde, würde ich ihn bei unown für 18,30 € einen Monat lang leasen. Wenn er mir nicht gefallen würde, könnte ich ihn zurückgeben, wenn er mir gefallen würde, könnte ich ihn „auslösen“, wahrscheinlich für ca. 80 €. Wenn ich ihn gekauft hätte und er gefällt mir nicht, könnte ich keine 80 € mehr dafür bekommen. Aber ob der getragene Pulli zurück bei unown dann wieder ins Leasing oder stattdessen in die Miete (im Abo-Modell) geht, konnte ich leider nicht herausfinden.
Ich finde unown gut, aber durch diese ungeklärten Details bleibt für mich dieser „neuartige Leasing-Service“ trotzdem etwas intransparent. Leider bin ich immer noch nicht schlauer bezüglich meiner Frage, worin der Unterschied zwischen Leasing und Mieten liegt und wie genau das Geschäftsmodell von unown funktioniert.

