Artikel vom 20. Apr. 2020
Die TEXAID AG konzentriert sich auf die Sammlung, Sortierung und Verwertung von Alttextilien. TEXAID gehört zu den größten Organisationen für das Sammeln, Sortieren und Verwerten von gebrauchten Textilien in Europa.

TEXAID: „Wir unterstützen die Bekleidungsindustrie bei der Transformation von der heute linearen textilen Wertschöpfungskette hin zu einer kreislauffähigen Textilwirtschaft mit ökologisch nachhaltigen End-of-Life-Lösungen.“
Was macht TEXAID?
Die TEXAID AG ist ein kommerzielles Unternehmen, das sich auf die Sammlung, Sortierung und Verwertung von Alttextilien konzentriert.
Sammlung: Dabei setzt sie nicht nur auf Altkleidercontainer und Haussammlungen, sondern bietet Modeunternehmen auch In-Shop-Sammlungen und Online-Spenden mit PackMee an.
Verwertung: TEXAID verkauft die noch tragbare Ware in andere Länder weiter. Untragbare Textilien verarbeitet sie selbst zu Putzlappen, die man über den eigenen Online-Shop kaufen kann. Das Beste aus den Sammlungen verkauft TEXAID über mehrere Shops, wie die ReSales-Shops und auch die Carou GmbH. Den Rest der noch tragbaren Kleidung exportiert man nach Osteuropa, Asien und Afrika. Mit TEXAID Retail Solutions arbeitet TEXAID vermehrt mit großen Textilproduzenten zusammen, damit sowohl Pre-Consumer- als auch Post-Consumer-Textilien dem Kreislauf erhalten bleiben. Dabei bietet TEXAID auch Lösungen für Overstock, Umtauschware und Take-Back-Boxen für Unternehmen an.
„Unser Ziel ist es, Textilien weiterzuverwerten und damit Ressourcen zu schonen.“






Woher kommt TEXAID und wie ist das Unternehmen entstanden?
TEXAID ist eine Partnerschaft zwischen einer Reihe von Hilfswerken und privaten Investoren aus der Schweiz. TEXAID garantiert eine ökologisch hochwertige sowie sozial nachhaltige Sammlung, Sortierung und Verwertung auf höchstmöglicher professioneller Ebene.
TEXAID besteht aus der TEXAID-Arbeitsgemeinschaft und der TEXAID Textilverwertungs-AG.
Die an TEXAID beteiligten sechs namhaften Schweizer Hilfswerke – Schweizerisches Rotes Kreuz, Winterhilfe Schweiz, Solidar Suisse, Caritas Schweiz, Kolping Schweiz, Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz (HEKS) – sammelten traditionell Altkleider für ihre Direkthilfe. 1978 schlossen sie sich zusammen und gründeten gemeinsam die Sammelorganisation TEXAID-Arbeitsgemeinschaft. Mit einem Sortierwerk in Schattdorf/Uri schufen sie die Voraussetzungen für professionelles Sammeln, Sortieren und Verwerten von Altkleidern und Schuhen. Die Hilfswerke erhalten aus den Verkaufserlösen Geldmittel, die direkt ihrer Hilfswerkstätigkeit zugutekommen.
Die an TEXAID beteiligten Hilfswerke verstehen es nicht als ihre Aufgabe, ein Unternehmen zu betreiben, das professionell Altkleider einsammelt, sortiert und verkauft. Daher haben sie die TEXAID Textilverwertungs-AG gemeinsam mit einem Experten auf dem Gebiet der Alttextilverwertung gegründet. Die TEXAID-Arbeitsgemeinschaft betreibt also gemeinsam mit einem privaten Investor im Sinne einer Charity-Private-Partnership die TEXAID Textilverwertungs-AG.

Die TEXAID Textilverwertungs-AG stammt ursprünglich aus der Schweiz. Mit Sitz in Schattdorf/Uri ist sie das Stammunternehmen von TEXAID. In Schattdorf betreibt TEXAID heute eines der modernsten Textilsortierwerke der Welt.
Wo ist TEXAID aktiv?
- 1978 Schweiz
- 2005 Bulgarien (Sortierung)
- 2008 Ungarn (Sammlung, Sortierung und Produktion von Putzlappen)
- 2009 Deutschland (TEXAID Deutschland GmbH und seit 2012 mit der TEXAID Collection GmbH. Seit September 2013 ist auch die ReSales Textilhandels- und -recycling GmbH Teil des TEXAID-Konzerns. Mit deutschlandweit rund 700 Mitarbeitenden, 50 eigenen Secondhand-Shops sowie dem zweitgrößten Sortierwerk Deutschlands im thüringischen Apolda ist TEXAID eine der führenden Textilrecycling-Organisationen auf dem deutschen Markt.)
- 2013 Marokko (Sortierung in der Freihandelszone wegen der Nähe zu Afrika)
- 2013 Spanien (Sammlung)
- 2016 Österreich (Sammlung und Sortierung)
- 2019 USA (Kooperationen mit Marken wegen Overstock und Umtauschwaren)
Welche Leistungen bietet TEXAID Unternehmen an?
- Die Liste der angebotenen Leistungen der TEXAID AG ist mittlerweile umfassend:
- Traceability: transparente Nachverfolgung der Verwendung der Einsendungen
- Recycling: Sortierung per Hand, um den größtmöglichen Nutzen aus jedem Teil zu ziehen
- Resale: mit 300 Partnern in 69 Ländern
- Customer Service: schnelle Klärung von Problemen
- Repair Service: für hochwertige Kleidung mit kleinen Fehlern
- Reuse: Sortierung per Hand, um noch tragbare Kleidung zu sichern
- White Label: alle Konzepte werden als White-Label-Lösung angeboten, um einen reibungslosen Markenauftritt zu gewährleisten
- Research: teilt den Status quo der innovativen Lösungen im Bereich Textilrecycling
- ReCommerce: gesicherte Logistik für Rücknahmelogistik
- Upcycling: mit Fokus auf Wolle und Kaschmir
- Data Analysis: sammelt Informationen wie Maße und Farbe und erstellt Bildmaterial über gesammelte Waren
- Brand Protection: Textilien werden nach Anforderung der Marken behandelt
Wie viel sammelt TEXAID an Altkleidern von Endkunden direkt?
- Deutschlandweit werden jährlich über 1 Mio. Tonnen gebrauchte Kleidung und Textilien entsorgt. Davon sammelt TEXAID rund 40.000 Tonnen.
- Von den 40.000 Tonnen jährlich gespendeten Sammelguts der TEXAID sind:
- 65 % weiter in Verwendung zu geben. Der europäische Branchendurchschnitt würde derzeit bei ca. 45 bis 50 % liegen.
- 35 % des Sammelguts sind stark beschädigte Textilien.
- Davon wiederum gehen:
- Bis zu 15 % werden zu Putzlappen verarbeitet, etwa für die Industrie zum Reinigen und Polieren.
- Bis zu 15 % gehen ins Textilrecycling, werden also als Rohstoff anderen Materialien beigemischt oder zu Dämmstoffen verarbeitet.
- 5–15 % sind textile Abfälle oder textilfremde Materialien. Diese werden kostenpflichtig entsorgt oder der entsprechenden separaten Sammlung zugeführt.
Und was passiert mit dem Erlös?
In Kooperation mit den karitativen Partnern sorgt TEXAID dafür, dass die Erlöse, die mit dem Verkauf der gebrauchten Textilien erwirtschaftet werden, die Hilfswerke bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützen. Die karitativen Organisationen würden selbst nicht über das nötige Know-how verfügen, um die Massen an gebrauchter Kleidung fachgerecht weiterzuverarbeiten. Die nachhaltige Verwertung von Alttextilien ist mit hohem Aufwand sowie mit Material-, Energie- und Personalkosten verbunden, die gedeckt werden müssen.
Really?
Über TEXAID gab es im letzten Jahr aber auch Kritik in den Schweizer Nachrichten. Diese betraf die intransparenten Strukturen des Unternehmens und den luxuriösen Lebensstil des Geschäftsführers Martin Böschen. Problematisch hierbei ist insbesondere die Tatsache, dass gemeinnützige Sammlungen zu einem Millionenvermögen bei der Unternehmerfamilie Böschen geführt haben und der kommerzielle Charakter der Sammlungen für viele Spender nicht offenkundig ist.
Und nun?
Als ich diesen Artikel geschrieben habe, hatte ich echt Lust bekommen, einen Tag mal in der Sortierung zu arbeiten. Falls einer von euch in der Nähe von Apolda, nahe Weimar und Jena, wohnt: Da gibt es gerade Jobs in der Sortierung. Für meine Freunde und Leser aus der Textilindustrie: Vielleicht braucht ihr Hilfe bei Overstock.
Quellen:
