Afound.com von H&M launcht heute! Ein schickes neues Online-Outlet mit fragwürdiger Kommunikation

Artikel vom 7. Mai 2020

Vor wenigen Tagen entdeckte ich in Holland afound.com. Den Marktplatz der H&M Group gab es bisher nur dort und in Schweden, woher er ursprünglich stammt. Ich klickte mich ein paar Minuten durch die Seite und dachte nur: Oh shit – noch mehr vermeintliche Schnäppchen.

Abends, in meinem ersten Instagram-Live-Video, meinte ich noch, dass sie bestimmt bald nach Deutschland kommen. Genau einen Tag später schickte mir dann eine Followerin einen Link zu einem Glamour-Artikel: Afound.com launcht heute in Deutschland und Österreich.

Aber was ist Afound?

Afound ist ein Marktplatz für „günstige Deals“: Ware aus vergangenen Saisons, die nicht verkauft wurde und normalerweise als Lagerbestand bei den Marken verbleibt, bis sie schließlich in Outlet-Dörfern landet oder anderweitig verwertet wird.

Mit Afound bietet die H&M Group ihrem eigenen „Overstock“ (Überbestand, also nicht verkaufte Saisonware inklusive Sale-Phase) der Marken H&M, COS, Weekday, & Other Stories, Arket usw. eine neue Online-Verkaufsplattform.

Auch andere Marken und Unternehmen können ihre Produkte als Partner gegen eine feste Kommissionsgebühr einstellen. Insgesamt lassen sich auf der Plattform Artikel aus vergangenen Saisons von über 300 Marken kaufen.

Ein Online-Outlet-Village sozusagen.

Quelle: www.afound.com/de-de

Trotzdem irgendwie eine fragwürdige Kommunikation!

Was mich wundert, ist die Kommunikation von Afound. Diese ist sehr auf Nachhaltigkeit getrimmt, ohne wirklich zu erklären, warum es nachhaltig ist. Mit Sätzen wie:

SAVE MORE

Afound ist ein Marktplatz für günstige Deals, der gleichzeitig neue Wege ermöglicht, nachhaltig einzukaufen.

SAVE MONEY, FASHION AND TOMORROW

Wir wollen Mode neues Leben geben und uns deswegen um das kümmern, was bereits produziert wurde. Bei Afound findest du Produkte von vorherigen und aktuellen Saisons, darunter auch Secondhand und Vintage. Shoppe direkt in einer breiten Auswahl an Anbietern: von globalen Modemarken bis zu lokalen Einzelhändlern. Immer zu 25–70 % Rabatt.

In Holland steht sogar:

„Einige nennen uns vielleicht Outlet, während andere uns Helden unserer Zeit nennen. Beides mag wahr sein, aber wir konzentrieren uns nur auf eines – eine Welt voller Schnäppchen für viele Menschen zu schaffen.“

Für mich scheint es eher, als wäre Afound die Antwort der H&M Group auf das kommende Kreislaufwirtschaftsgesetz und die Obhutspflicht, in der rechtlich verankert wird, dass Warenbestände nicht mehr vernichtet werden dürfen.

Also ja, es ist nachhaltig, keine neuwertige Ware mehr zu vernichten und sie stattdessen zu verkaufen. Aber die Kommunikation, die sich einerseits auf Schnäppchen und „best shopping deals“ und gleichzeitig auf Nachhaltigkeit stützt, passt für mich nicht zusammen.

Quelle: www.afound.com/de-de


Qualitative und nachhaltige Kleidung behält ihren Wert auch in der nächsten Saison und ist niemals als Overstock zu bezeichnen. Eine Marke, die Überbestand produziert, plant meiner Meinung nach falsch. Sie ist damit Teil des Überproduktionsproblems und wird beim Versuch, diesen toten Lagerbestand doch noch für kleines Geld – als „Deals“ – zu verkaufen, zwangsläufig zu einer treibenden Kraft im Preisdumping. Und genau das macht meiner Meinung nach Afound. Somit sind sie nicht Teil einer nachhaltigen Lösung hin zu bewussterer Produktion, sondern bieten lediglich einen Quick Fix für Unternehmen, die auf ihrer Überproduktion sitzen bleiben. Einen Marktplatz zu bauen, der langfristig eine Lösung für ein strukturell verursachtes Problem bieten soll, kann per se nicht nachhaltig sein.

Was kann die Plattform noch?

Warum schreibe ich über eine Plattform, die Neuware anbietet? Weil sie eben auch ein Marktplatz für Secondhand- und Vintage-Artikel ist. Partner-Shops aus diesen Segmenten können ebenfalls über die Plattform verkaufen. Theoretisch könnte sich jeder kleine Berliner Secondhand-Shop ein Verkäuferprofil anlegen und so deutlich mehr Kundschaft erreichen. Potenziell kann die H&M Group in der Secondhand-Kategorie aber auch Retourenware anbieten, die nicht mehr als neuwertig verkauft werden kann.

Seit wann gibt es die Plattform?

Seit Juli 2018 ist Afound in Schweden als Schnäppchenplattform bekannt. Dort gibt es auch stationäre Stores, ebenso seit 2019 in den Niederlanden. Ob es in Deutschland Offline-Stores geben wird, ist noch unklar. Der Onlineshop ist jedoch seit heute live.

Fazit

Bei Afound gibt es COS und meine anderen dänischen Lieblingsmarken (auch im Interior-Bereich) zu Spottpreisen. Preislich liegen diese teilweise sogar unter den Secondhand-Preisen, wie sie beispielsweise bei Kleiderkreisel üblich sind.

Als nachhaltig – zumindest so, wie es kommuniziert wird – empfinde ich die niedrigen Preise und den starken Fokus auf Deals jedoch nicht. Vor allem, weil bekannt ist, dass manche Unternehmen (nicht alle!) bewusst mehr und günstigere Ware produzieren, um ihre Outlets ausreichend zu bestücken.

Afound hat jedoch das Potenzial, sich zu meiner größten Challenge in diesem Jahr zu entwickeln.

Quelle: www.instagram.com/afound/

Quellen:

glamour.de/mode/mode-news/hundm-afound-start-deutschland

afound.com/de-de/damen

afound.com/nl-nl/over-ons

focus.de/finanzen/news/mode-fuer-den-outlet-boom-zweite-wahl-und-extra-produziert-woher-die-ware-im-outlet-center-kommt_id_6905781.html