Depop – Irgendwas zwischen Social Media und Secondhand-Marktplatz

Artikel vom 24. Sept. 2020

Depop ist irgendwie wie Etsy, Instagram und eBay Kleinanzeigen – aber eben doch anders. Die junge ReCommerce-Plattform für „pre-loved“ Kleidung, Schuhe, Designerware und Handgefertigtes ist vor allem unter Teenagern in den USA und Großbritannien weit verbreitet – gerade weil sie mehr ist als nur ein normaler, langweiliger Marktplatz für Secondhand-Kleidung.

Gibt es Depop bald auf Deutsch?

Und obwohl ich Depop super interessant fand, habe ich es euch bisher noch nicht vorgestellt, da die Plattform in Deutschland noch nicht sehr bekannt ist und bislang nicht auf Deutsch verfügbar war. NOCH NICHT.

Ich habe nämlich allen Grund zu der Annahme, dass sich das bald ändert. Depop sucht aktuell Unterstützung für den deutschen Markt. Deshalb möchte ich euch die Plattform heute vorstellen, denn auf Rebound Stuff bekommt ihr immer die neuesten Infos über die Secondhand-Branche.

Wann wurde Depop gegründet?

Die App wurde 2011 von Simon Beckerman gelauncht. Beckerman hatte zuvor gemeinsam mit seinem Bruder Daniel das unabhängige PIG-Magazin über Fashion, Design, Musik und Lifestyle gegründet. Die Idee war ursprünglich, eine digitale Erweiterung des Magazins zu schaffen, auf der all die spannenden und aufstrebenden Marken und Styles präsentiert werden konnten, die damals auf kaum einer Website zu finden waren.

Nachdem Beckerman erkannte, dass Depop eine Verkaufsfunktion benötigte, wurde die App als globaler E-Commerce-Marktplatz weiterentwickelt und als soziale Netzwerkplattform neu aufgestellt.

Die App wurde 2012 zunächst auf dem italienischen Markt getestet. Die finale Version wurde schließlich 2013 in Großbritannien eingeführt.

Wie ist Depop aufgebaut?

Nach der Anmeldung wird man zunächst dazu aufgefordert, Körpermaße, Stilpräferenzen und Lieblingsmarken anzugeben. Schon hier erkennt man schnell, dass Depop hauptsächlich von trendbewussten jungen Menschen genutzt wird: Statt Begriffen wie „klassisch“ oder „sportlich“ wird man hier eher mit Begriffen wie „Y2K“ oder „Streetwear“ konfrontiert.

Anschließend kann das Stöbern im Instagram-ähnlichen, gekachelten Feed beginnen. Auf den Bildern präsentieren Menschen aus aller Welt ihre Artikel – gebrauchte Kleidung, Designermode, selbst entworfene Teile, Schmuck, Accessoires oder Dekoration.

Was gefällt, kann geliked, geteilt, kommentiert oder gekauft werden. Eigene Follower sehen wiederum, was einem selbst gefällt. Die App bezeichnet sich selbst als globalen Verbindungskanal – nicht nur für M-Commerce, sondern auch für Kultur-, Design- und Kreativgemeinschaften auf der ganzen Welt. Also: Social Commerce.

(Definition von Wikipedia: Unter Social Commerce – auch Empfehlungshandel oder Social Shopping genannt – versteht man eine Ausprägung des elektronischen Handels, bei der die aktive Beteiligung der Kunden sowie die Kommunikation untereinander im Vordergrund stehen.)

Wie funktioniert das Verkaufen?

Ähnlich wie bei Instagram wird dazu geraten, ein Profilbild bzw. Logo, eine Beschreibung und persönliche Interessen anzugeben.

Das Einstellen eines Artikels funktioniert ähnlich einfach wie bei anderen Verkaufsplattformen: Der Verkäufer lädt Bilder hoch und ergänzt Kategorie, Größe, Farbe sowie eine Beschreibung. Die Versandkosten können entweder im Preis enthalten sein oder zusätzlich berechnet werden.

Die Shop-Richtlinien – beispielsweise zu Rückerstattungen oder Bundle-Rabatten – müssen die Verkäufer selbst festlegen. Nach dem Bestellen bzw. Versenden des Artikels erhalten Käufer und Verkäufer jeweils eine Bestätigung.

Aktuell kann nur mit PayPal bezahlt werden. Dabei gehen 10 % des Verkaufspreises als Kommission an Depop sowie zusätzlich etwa 2,5 % PayPal-Gebühren an PayPal selbst.

Wer nutzt vor allem Depop?

Die App wird vorwiegend von Teenagern und jungen Erwachsenen genutzt – aktuell vor allem in Großbritannien und den USA.

Maria Raga, CEO von Depop, wünscht sich, dass die Plattform eine neue Generation junger Unternehmer hervorbringt. Und tatsächlich: Die Vizepräsidentin Rachel Swidenbank erklärte gegenüber Business Insider, dass rund 90 % der damals über 10 Millionen Nutzer unter 26 Jahre alt gewesen seien.

Die Generation Z sei nicht nur kostenbewusster als frühere Generationen in diesem Alter, sondern auch nachhaltiger und unternehmerischer denkend. Genau das mache Depop zu einer so beliebten Plattform.

Was unterscheidet Depop von Kleiderkreisel und Co.?

Die meisten Flohmarkt-Apps verfolgen vor allem das Ziel, ausrangierte Kleidung oder andere Artikel möglichst schnell und unkompliziert loszuwerden. Depop dagegen hat sich von genau so einer Plattform mit eher älteren Nutzern bis Mitte dreißig zu einem Marktplatz für Designerware, Vintage-Stücke und handgemachte Einzelteile entwickelt, die vor allem von einer nach Individualität strebenden jüngeren Generation genutzt werden.

Darüber hinaus passt die App perfekt in die aktuelle Modeentwicklung, die eine nachhaltigere Garderobe mit einem neuen Verantwortungsbewusstsein verbindet.

Es überrascht daher nicht, dass sich unter den Nutzern auch Prominente wie Model Chiara Ferragni – die zudem Anteile am Unternehmen besitzt –, Schauspielerin Maisie Williams oder Sängerin Lily Allen befinden.

Die Plattform hat außerdem bereits viele Trends und Mode-Start-ups hervorgebracht: Neue Styles wie monochromatische Outfits, Barrettes oder Haarspangen-Trends waren oft schon Monate vor ihrem viralen Durchbruch auf Instagram auf Depop sichtbar.

Und das kann sich lohnen: Top-Seller wie Isabella McFadden alias „Internet Girl“ oder Oliver Purnell („Oliver’s Archive“) machen laut Depop mittlerweile Jahresumsätze von bis zu 300.000 US-Dollar.

Kurz gesagt hat Depop also deutlich mehr Ähnlichkeiten mit einem sozialen Netzwerk als mit einer klassischen ReCommerce-App – und bietet vergleichbare Aufstiegsmöglichkeiten.

„Bei Depop dreht sich alles um das Kundenerlebnis und hat mehr mit Lebensstil zu tun als mit einer bloßen Anwendung. Sie sprechen nicht über Click-to-Shop oder Surfen. Sie sprechen über sich selbst, über ihre Gemeinschaft“, so CTO Remo Gettini.

Wie groß ist Depop heute?

Mittlerweile ist Depop in über 147 Ländern verfügbar und verzeichnet etwa 20 Millionen Nutzer. Die über 200 Mitarbeitenden arbeiten in den Headquarters in London oder in einem der Büros in Manchester, New York, Los Angeles und Sydney.

In drei Finanzierungsrunden konnte Depop bisher 105,6 Millionen US-Dollar einsammeln. Die letzte, von General Atlantic geführte Finanzierungsrunde im Juni 2019 brachte 62 Millionen US-Dollar ein.

Weitere Investoren waren unter anderem der Investment-Arm des deutschen Verlagshauses Holtzbrinck sowie Sebastian Siemiatkowski, Gründer und CEO des schwedischen Zahlungsdienstes Klarna.

Die Investitionen sollen vor allem in die technologische Entwicklung und die Expansion des US-Marktes fließen, der mit aktuell etwa 5 Millionen Nutzern und prognostizierten 15 Millionen in den kommenden drei Jahren zum größten Markt werden soll – trotz der inzwischen integrierten Shopping-Funktionen von Instagram und Pinterest.

Das enorme Wachstum des Wiederverkaufsmarktes führte bei Depop in den vergangenen Jahren zu einem Umsatzwachstum von nahezu 100 % im Vergleich zum Vorjahr sowie zu einem Bruttowarenwert von mehr als 500 Millionen US-Dollar seit dem Start der Plattform. Bei einer Kommission von 10 % entspräche das Einnahmen von rund 50 Millionen US-Dollar (Stand Juni 2019).

Quellen:

omr.com/de/depop-internet-girl/

www.depop.com/about/www.vogue.de/mode/artikel/shopping-app-depop

https://www.theatlantic.com/technology/archive/2019/06/depop-live-selling-clothes

www.businessinsider.com/teens-earn-money-fashion-depop-app-

techcrunch.com/2019/06/06/depop-a-social-app-targeting-millennial-and-gen-z-shoppers-

vue.ai/blog/trends-and-analysis