Der ideelle Wert: wieso wir beim Verkauf von Dingen, die uns etwas bedeuten, Preise zu hoch setzen

Artikel vom 21. März 2020

Der ideelle Wert ist der emotionale, nicht rational messbare Wert, der einen Gegenstand aufgrund eines persönlichen Bezuges von einem Individuum zugeschrieben wird.

Was ist der ideelle Wert?

Im Gegensatz zu materiellem und rationalem Wert, ist der ideelle Wert ein subjektiver Wert, der nur auf der Wertvorstellung eines Einzelnen Bezug nimmt. Dieser Wert entsteht aufgrund einer emotionalen Bindung zu dem Gegenstand, den meist der Einzelne hat. Diese Bindung lässt diesen Menschen einem Objekt einen weitaus höheren Wert zuschreiben, als dieses auf dem freien Markt wert wäre.

Oder einfacher gesagt:

„Der emotionale, nicht messbare Wert eines Gegenstandes, den ein Einzelner aufgrund seiner persönlichen Beziehung diesem zuschreibt.“

Was bedeutet der ideelle Wert für den Sekundärmarkt?

Wir kennen es fast alle: Man stellt etwas auf einen Marktplatz ein und kommt zu dem Feld, in das man den Preis eintragen muss. Plötzlich schießen einem tausend Gedanken durch den Kopf, um rationale Gründe zu finden, warum dieser möglichst hoch angesetzt werden sollte. Die Schuhe sind aus Leder, das Fahrrad wurde nur zwei Monate genutzt, die Couch ist von einer Designermarke.

Doch oft ist der wahre Grund ein anderer: Wir möchten den Gegenstand eigentlich gar nicht verkaufen, weil wir emotional an ihm hängen. Gleichzeitig haben wir keinen Platz oder keine Verwendung mehr dafür. Der hoch angesetzte Preis soll den Trennungsschmerz mildern und sich ein wenig wie ein Erfolg anfühlen.

Das passiert, wenn ein Gegenstand für uns einen ideellen Wert hat – und genau das hindert uns häufig daran, unsere Dinge erfolgreich auf dem Sekundärmarkt zu verkaufen. Viele Dinge, die wir besitzen, tragen eine emotionale Bedeutung in sich. Manchmal ist es sogar nur die Vorstellung von etwas, das hätte eintreten sollen, die uns am Loslassen hindert.

„Fakt ist: Wir haben emotionale Beziehungen zu manchen Dingen, die es uns fast unmöglich machen, dafür rationale Preise festzusetzen.“

Hier ein paar Beispiele:

  • Ein Ring aus dem Kaugummi-Automat hat einen Materialwert, welcher gegen Null geht. Dieser wurde aber an einem romantischen Abend aus einem Automaten gezogen und führte zum Heiratsantrag. Für das Paar hat der Ring einen Wert, der sich nicht in einer rationalen Zahl abbilden lässt. Würde man das Paar fragen, für was sie den Ring verkaufen würden, wäre es nicht verwunderlich, wenn sie mehrere hundert Euro aufrufen, die niemand am Markt natürlich (außer sie selbst) zahlen würden.
  • Eine Leinenhose, die eine Frau von ihrer Mutter bekommen hat, die sie trug als sie schwanger war, ist kaputt und könnte zum Recycling gebraucht werden, da die Reparatur mehr kosten würde, als die Hose neu kosten würde. Trotzdem wird sie repariert, da sie einen ideellen Wert hat, der höher ist als jede vergleichbare andere Leinenhose neu kosten würde.
  • Ein Wanderrucksack, der nie verwendet wurde, bedeutet die Hoffnung, doch noch einmal eine Weltreise zu machen, obwohl es die familiären Verpflichtungen nicht zulassen.
  • Oder jemand besitzt eine Babydecke aus Wolle, deren rationaler Wert 35 Euro ist, aber der Verkauf der Decke kann für diese Person auch das Loslassen des Kinderwunsches bedeuten. Diese Tatsache macht den Verkauf der Decke sehr schwer. Deswegen können selbst neue Gegenstände einen ideellen Wert erhalten, durch die Wünsche und Erwartungen, die diese symbolisieren.

Wie gehen wir konkret mit der Tatsache um, dass es auf dem Sekundärmarkt einen ideellen Wert gibt?

Man sollte sich ehrlich fragen, ob man einen Gegenstand wirklich verkaufen möchte. Hilfreich ist die Vorstellung: Wie fühlt es sich an, wenn er weg ist? Entsteht Bedauern oder vielleicht sogar Erleichterung?

Wenn man stark daran hängt, ist es oft besser, den Gegenstand vorerst zu behalten.

Entscheidet man sich dennoch für den Verkauf, kann es helfen, ein Foto als Erinnerung zu behalten. Dieses kann später ähnliche Emotionen hervorrufen wie der Gegenstand selbst.

Wichtig ist außerdem, einen realistischen Preis festzulegen. Das vermeidet lange Diskussionen mit potenziellen Käufern. Für diese spielt die persönliche Geschichte meist keine Rolle – sie bewerten den Gegenstand nach objektiven Kriterien.

In manchen Kontexten, etwa auf Flohmärkten, können Geschichten jedoch den Preis beeinflussen. Dieser Effekt wird als „Contagion Heuristic“ bezeichnet und kann den wahrgenommenen Wert erhöhen oder senken. Spätestens beim Verkauf an ReCommerce-Unternehmen spielt die Geschichte jedoch keine Rolle mehr.

Ich werde in den nächsten Wochen mal selbst mit diesem Effekt ein bisschen experimentieren.

Quelle:

wikipedia.org/wiki/Ideeller_Wert