Geliebte gehasste Geschenke!

Artikel vom 27. März 2020

Jeder hat sie zu Hause: Geschenke von lieben Menschen. Mal schön und praktisch, zu oft aber nicht nach dem eigenen Geschmack, und so werden sie zu überflüssigem Ballast. Wie können wir besser schenken?

Diese Woche befinde ich mich im Aufräumwahn und folge der Marie-Kondo-Methode. Ich gehe meine Sachen streng nach den von ihr vorgegebenen Kategorien durch und überlege, was noch zu meinem Herzen spricht und Freude auslöst. Dabei fallen mir immer wieder Sachen auf, die ich zwar im Herzen trage, die aber noch nie Freude ausgelöst haben: Geschenke meiner Liebsten.

Oft sind es Dinge, die ich weder brauche noch haben will. Wegwerfen scheint undankbar und weiter behalten belastend. Verkaufen ist auch nicht toll, aber wenigstens hat jemand anderes damit vielleicht noch Freude? Am besten wäre es aber gewesen, ich hätte nur Dinge geschenkt bekommen, die ich auch wirklich brauche und in meinem Leben haben will.

Manche Menschen nehmen Besitz als Belastung wahr. In einer Kultur, in der man Zuneigung durch Geschenke zeigt, bringt man solche Menschen häufig in die Bredouille.

Ich weiß, die Geschenke kommen alle von Herzen und sind in guter Absicht geschenkt. Trotzdem denke ich: „Nachdenken vor dem Schenken“ sollte hier die Devise sein. Geschenke, die wir wirklich wollen, lösen am Ende ja auch die größte Freude aus. Deswegen habe ich hier für euch meine vier besten Dos and Don’ts zusammengeschrieben, damit ihr bessere Schenkende werdet.

Der Lampenschirm von meiner Schwester

Hier meine 4 Top Dos & Don’ts zum Thema Geschenke:

DON’T #1:

Gehe nicht von dir selbst aus!

Schenke nie jemandem etwas, was du selbst gerne hättest. Wahrscheinlich denkst du bei dem Kauf eher an dein Gefühl, wenn du es geschenkt bekommen würdest, und nicht an die Person, für die du es wirklich kaufst. So kam ich zu diesem tollen Lampenschirm! Meine Schwester fand ihn schön und dachte, da sie ihn in dem Moment selbst nicht brauchte, aber zufällig mein Geburtstag anstand, er würde ganz wunderbar in mein neues WG-Zimmer passen. Das war vor 9 Jahren. Seitdem liegt er ungenutzt in einer Box auf dem Schrank.

DON’T #2:

Schenke nicht nur, um zu schenken!

Schenke nichts, nur weil du das Gefühl hast, etwas schenken zu müssen. Meist kauft man nur etwas aus der Not heraus, das der Beschenkte gar nicht braucht. Vor allem im Urlaub hat man manchmal das Gefühl, man muss oder will jemandem etwas mitbringen. Oft kauft man etwas, das typisch für die Region ist. So bin ich zu diesen tollen handgemachten Mokassins aus Kanada gekommen. Das Leder ist butterweich, der Schuh super verarbeitet, der Style schön, aber so gar nicht meins. Ich habe sie seit 7 Jahren und hatte sie nicht einmal an.

DON’T #3:

Schenke nichts ungefragt weiter, was du selbst nicht brauchst!

Manchmal mistet man aus und findet Dinge, die man selbst nicht braucht, und kommt auf die grandiose Idee, die Sachen einfach weiter zu verschenken. Ich rate: Lass die Finger davon! Neben vielen anderen Sachen bin ich so zu einer Trinkflasche in Form eines Schneemanns von Tupperware gekommen. Verwendet habe ich sie kein einziges Mal. Erstens habe ich genug Flaschen, zweitens ist es eine Tupperware-Flasche mit Glitzer in Schneemann-Form!

DON’T #4:

Schenke generell keinen Nippes oder Deko.

Die kauft man sich am besten selbst. Wenn du gerne kaufst und schenkst, ist das eine schlechte Kombination. So kam ich zu einer kleinen Schutzengelfigur. Ich finde sie weder schön noch praktisch, noch hat sie einen materiellen Wert. Allein über die Geste des Schenkens hat sie nun einen ideellen Wert, der es mir schwer macht zu entscheiden, was mit ihr passieren soll.

DO #1:

Gib dem Beschenkten eine Chance auf Feedback!

Wenn du eine Person gut kennst und weißt, womit du ihr eine Freude machen kannst, passiert es trotzdem manchmal, dass du danebengreifst. Es kann am Design liegen, das nicht optimal ist, oder an der Größe, bei der man sich verschätzt hat. Lass Raum für Feedback. Gib dem anderen die Möglichkeit, das Geschenk ehrlich zu bewerten und es, wenn möglich, zurückzugeben oder umzutauschen.

Meine Mutter z. B. schenkte mir die beste Bettwäsche der Welt in einem Design für Leute über 50 Jahre – hässlich wie die Nacht. Ich habe mit meiner Mutter offen darüber geredet, und sie zeigte mir die anderen Designs, die noch zur Auswahl standen. Wir haben die Bettwäsche einfach umgetauscht. Jetzt habe ich tatsächlich eine tolle Bettwäsche, qualitativ und vom Design. Ich liebe sie. Meine Mutter und die Bettwäsche natürlich.

DO #2:

Frage nach und hör zu!

Hat die zu beschenkende Person geäußert, dass sie sich etwas wünscht oder etwas braucht? Man kann gezielt danach fragen oder sich spontan eine Notiz im Handy machen, wenn eine Person erwähnt, was sie gerne hätte. Wenn dann ein Anlass kommt, bei dem man etwas schenken möchte, kann man darauf zurückgreifen, und der Beschenkte freut sich noch mehr, weil ihm zugehört wurde.

Ich habe zum Beispiel eine Tante, die immer pünktlich vor meinem Geburtstag und vor Weihnachten fragt, was ich mir wünsche. Wer das etwas langweilig findet: Ich bekomme seit Jahren immer etwas, was ich brauche und möchte. Ich freue mich jedes Mal sehr. Sie sagt selbst, sie weiß nicht, was mir gefällt, und möchte mir etwas schenken, was ich brauche oder schön finde – von den neuesten Incylence-Triathlon-Socken bis zum Bildband von Jimmy Nelson.

DO #3:

Schenke Sachen, die man aufbraucht!

Dinge, die man nicht braucht, sind also keine guten Geschenke. Daher ist es zumindest praktisch, etwas zu schenken, das verbraucht werden kann. Wie zum Beispiel gute Speiseöle, die auch mal über 10 Euro kosten können, oder guter Kaffee. Selbst ein gutes, höherpreisiges Duschgel, das man sich selbst vielleicht nicht kauft, kann besser sein als etwas, das in der Ecke des Schranks liegt und nie verwendet wird.

DO #4:

Schenke Dinge, die deinen Lieben helfen!

Manchmal siehst du, wie eine Person in deinem Umfeld sich mit etwas quält, vielleicht mit einem alten Handy, das immer abstürzt, oder mit einem Staubsauger mit defektem Kabel oder Kopfhörern mit einem Wackelkontakt. Wenn man so etwas bei Leuten sieht, kann man ihnen eine Reparatur, ein neues Gerät oder eine Alternative schenken, die ihnen das Leben leichter macht.

Viele von uns sind so erzogen, dass man als Beschenkter dem Schenkenden niemals direkt sagen würde: Danke für das Geschenk, ich schätze die Geste, aber ich brauche oder will das wirklich nicht. Ich habe begonnen, dies bei meinen wirklich nahen Verwandten zu tun, und es funktioniert hervorragend! Ich sage auch deutlich, wenn ich mir etwas wünsche. Und ich hoffe auch, dass sie verstehen, wenn ich in den nächsten Tagen etwas auf einem Marktplatz einstelle, was sie mir vielleicht irgendwann geschenkt haben.

Hier noch ein Geheimtipp für einen Quick Fix: Glücklicherweise wurden Gutscheine erfunden. Die meisten frisch gebackenen Eltern freuen sich wahrscheinlich mehr über einen DM-Gutschein als über den Strampler mit einem Huhn darauf.